Erstkommunionmagazin „wertvoll“

Die Erstkommunion hat sich mit den Jahren verändert – der Kern bleibt

Die zweite Ausgabe des Magazins „wertvoll“ ist erschienen. Es wird in einer Auflage von 15.000 Stück an die Familien der Erstkommunion-Kinder im Bistum Münster im kommenden Jahr verteilt. Mit Reportagen, Service-Stücken und Hintergrund-Geschichten wird den Eltern und Kindern ein Fest vorgestellt, das einen gleichbleibend hohen Stellenwert in den Pfarrgemeinden besitzt. Produziert wurde die Zeitschrift im Auftrag des Bischöflichen Generalvikariats von der Medienagentur kampanile. Kirche-und-Leben.de präsentiert eine Reportage aus dem Magazin über den Wandel der Erstkommunion im Laufe der Zeit.

Fast 70 Jahre liegen dazwischen. Als Oma und Opa in den 1950er Jahren zur ihrer ersten Kommunion gingen, sah die Welt anders aus. Für Enkel Simon ist jene Zeit eine in Schwarz-Weiß. Er kennt sie nur von den wenigen Bildern in den alten Foto-Alben. „Das Fest war damals natürlich anders“, sagen Maria und Heinz Wansing dem Neunjährigen. „Aber nicht weniger bunt.“

Die drei haben am Esstisch der Großeltern in ihrem Haus in Dülmen Platz genommen. Mit dabei die Mutter von Simon, Anja Wansing. Sie bringt ihre Erinnerungen aus dem Jahr 1988 mit, als sie zur Erstkommunion ging. Auch sie hat ein Foto dabei, schon in Farbe – sie im weißen Tüllkleid mit der Taufkerze in der Hand. „Das Motiv ist ein Klassiker geblieben“, sagt Maria Wansing. „Daran hat sich nichts geändert.“

Kommunionvorbereitung im Schulunterricht

Simons großes Fest ist wegen der Corona-Pandemie auf das kommende Jahr verschoben worden. Einen Großteil der Vorbereitung aber hat er bereits gemacht. Umso aufmerksamer hört er seinen Großeltern zu, die all das in ihrer Kindheit völlig anders erlebt haben. „Es gab keine Gruppenstunden oder Wochenend-Angebote“, erklärt Heinz Wansing. „Wir wurden mit der ganzen Schulklasse auf die Erstkommunion vorbereitet – haben Gebete auswendig gelernt, Bibelstellen gelesen und bekamen Hausaufgaben auf.“

Alles geschah mit der Lehrerin im Religionsunterricht, die Eltern waren außen vor. Keine Familienangebote, kein gemeinsames Essen im Pfarrheim, keine Ausflüge. Simon hätte vor allem die Vorbereitungs-Wochenenden vermisst, sagt er. „Wir hatten zwischendurch Zeit zum Spielen und mittags gab es immer Spaghetti Bolognese.“ Maria und Heinz Wansing lächeln. An so etwas war damals nicht zu denken.

Warten vor dem Beichtstuhl

Im Gespräch kommt Familie Wansing irgendwann an einen Punkt, an dem die Veränderungen besonders deutlich werden: die Beichte als Vorbereitung auf die Erstkommunion. Die Großeltern können sich kaum daran erinnern. „Davon wurde damals kein großes Aufheben gemacht.“ Anja Wansing hat die Situation dagegen noch genau vor Augen: „Ich saß mit den anderen Kindern in der Bank und einer nach dem anderen wurde in den Beichtstuhl gerufen.“ Ihre größte Not war, dass sie gar nicht wusste, was sie beichten sollte. „So richtig etwas falsch gemacht hatte ich doch nicht.“ Ihr fiel aber noch ein, dass sie daheim einmal der Katze am Schwanz gezogen hatte. Eigentlich eine Kleinigkeit – aber auch das loszuwerden war erleichternd.

Für Simon lief die Auseinandersetzung mit Schuld, Vergebung und Versöhnung vor einigen Wochen völlig anders. „Wir bekamen einen Stein, den wir einen ganzen Vorbereitungstag mit uns nahmen.“ Am Ende schrieben sie auf, von welchem Sorgen sie sich befreien wollten, legten den Stein vor den Altar und verbrannten den Zettel im Lagerfeuer.

Familien können heute mitgestalten

Die Großeltern lächeln über den entspannten Umgang ihres Enkels mit dem Beichtgeheimnis. Dann erzählen sie von ihrem großen Tag in der Kirche. „Wir saßen alle mit der Lehrerin in einer Bank, ohne unsere Eltern“, erinnert sich Maria Wansing. „Zu Erstkommunion ging es nach vorn, dann zurück in die Bank.“ Das war es. „Da finde ich es schon schön, dass die Kinder und Familien heute den Gottesdienst mitgestalten.“

„Wusstest du, dass wir vor der Kommunion nichts essen durften?“, fragt Heinz Wansing seinen Enkel. „Ab dem Vorabend.“ Der Gedanke dabei war, nicht "vollgestopft an den Tisch der Herrn zu kommen." Simon schüttelt erstaunt seinen Kopf: „Warum – gerade morgens hat doch jeder den größten Hunger?“ Seine Mutter kann das bestätigen. „Ich würde ihm eher sagen, dass er noch etwas essen soll, damit er im Gottesdienst nicht umfällt.“

Dinge, die gleichgeblieben sind

Bei allen Unterschieden – es gibt Dinge, die die Jahrzehnte überdauert haben. Etwa die Kleider-Frage. „Darauf wurde auch damals schon viel Wert gelegt“, sagen die Großeltern. Oma erinnert sich an die Fahrt mit ihrem Vater auf dem Motorrad nach Münster, um dort ein Kleid zu kaufen. „Die Verkäuferin beschäftigte sich mit mir und meinen Vorstellungen – ich fühlte mich das erste Mal richtig groß.“ Heinz Wansing bekam ein „wirklich teures Jackett. „So teuer, dass kein Geld mehr für die Hose da war. „Wir haben einfach eine Alltagshose genommen und sie passend eingefärbt.“

Simon hat den Anzug von seinem großen Bruder geerbt. „Hoffentlich passt er nächstes Jahr noch“, sagt er. Seine Mutter macht schmunzelnd den Vorschlag, ihm noch einen Zylinder zu besorgen, so wie er auf den Schwarz-Weiß-Fotos in den Alben zu sehen ist. Seine Reaktion ist eindeutig: „Wehe, Mama!“

Seltener Besuch von Tante Änne

Natürlich gab es auch schon vor 70 Jahren ein großes Familienfest zur Erstkommunion. „Groß hieß, dass die Großeltern und die Paten anreisten“, sagt Maria Wansing. Allein das war schon ein großer Aufwand, denn für viele waren es lange Reisen. „Tante Änne kam sonst nie aus Ahaus-Ottenstein, nur zu diesen Feiern.“

„Die Vorbereitungen für den Besuch der Verwandten waren dementsprechend“, sagt Heinz Wansing. „Wir wollten ja gut dastehen.“ Neue Tapeten, neuer Anstrich, neue Vorhänge – das Haus wurde auf Vordermann gebracht. „Und die Gartenwege exakt in eine Richtung geharkt.“ Alles war vorbereitet, um nach dem Gottesdienst gemeinsam zu frühstücken, Mittag zu essen und Kaffee zu trinken. „Ohne Torte ging keiner nach Hause.“

Simon wünscht sich Fischstäbchen

An einen solchen Aufwand kann sich Anja Wansing von ihrer Kommunion nicht erinnern. „Ich glaube, wir haben gegrillt.“ Und Simon sagt, dass ihm zu seinem Fest Fischstäbchen mit Kartoffelpüree absolut ausreichen würden. Hellhörig wird er aber, als es um die Geschenke geht, die es zu jener Zeit für die Kommunionkinder gab. „Ich bekam Taschentücher und einen Ball“, erzählt Maria Wansing. „Den haben meine Brüder aber schon am gleichen Tag kaputt geschossen.“ Heinz Wansing freute sich vor allem über Geld. „So um die 40 D-Mark, die ich für ein Fahrrad gespart habe.“

Simon staunt über die Genügsamkeit seiner Großeltern. Vielleicht schraubt er deshalb auch seine Wünsche ein wenig herunter. „Etwas von Lego“ wäre nicht schlecht, sagt er. „Oder Pokémon-Karten.“ Er weiß aber auch, dass die Geschenkideen der Kinder heute eigentlich andere Dimensionen haben. Da haben sich die Zeiten massiv geändert.

Die Botschaft ist die gleiche

Die Unterschiede sind an diesem Nachmittag am Esstisch der Wansings aber eng zusammengerückt. So weit liegen die Vorstellungen der Generationen gar nicht auseinander, ist herauszuhören. „Nein“, sagt die Oma. „Da ist nichts schlechter oder oberflächlicher geworden – Hauptsache, die Botschaft von Gott, der immer an deiner Seite steht, kommt rüber.“ Sie schaut ihren Enkel an. „Wichtig bleibt doch unsere goldene Regel, oder?“ Simon nickt, um sie gemeinsam mit seinen Großeltern aufzusagen: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem ander'n zu.“


Text/Fotos: Michael Bönte, Kirche+Leben

Die Idee des Magazins „wertvoll“

Das Magazin „wertvoll“ will die Familien auf dem Weg zur Erstkommunion ihres Kindes begleiten und Ihnen vor allem Stress nehmen, sagt die Referentin für Katechese im Bistum Münster Annette Höing. Auch wenn in Zeiten von Corona vieles anders werden wird, sollte die Ausstrahlung dieses Tages nicht darunter leiden. „Freuen Sie sich darauf! Es geht um Ihr Kind. Es erwartet nicht, dass alles perfekt ist, sondern dass es eine schöne Feier wird, bei der viele Menschen sich mit ihm freuen.“ Denn es gehe an diesem Tag um Jesus, der selbst gern mit den Menschen gefeiert habe. „Wenn Menschen miteinander feiern, können sie in der Fröhlichkeit, der Herzlichkeit und der Freude miteinander etwas davon erfahren, wie gut Gott es mit ihnen meint und wie nah er bei ihnen ist.“